{"id":1279,"date":"2021-07-20T04:34:00","date_gmt":"2021-07-20T02:34:00","guid":{"rendered":"http:\/\/nurheute.net\/?p=1279"},"modified":"2021-07-19T10:35:16","modified_gmt":"2021-07-19T08:35:16","slug":"gelb","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=1279","title":{"rendered":"Gelb"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Eine kleine pers\u00f6nliche Notiz am Anfang (weil der Rest dieses Blogs ja so unpers\u00f6nlich ist&#8230;). Ich habe diese Woche lange \u00fcberlegt, ob und was ich schreiben kann. Das Unwetter und die vielen Menschenleben, die es gefordert hat verbieten es eigentlich \u00fcber solche Nichtigkeiten zu schreiben, wie ich es heute tue. Ich glaube wir alle sind ersch\u00fcttert und hilflos. Beten hilft. Aber es kommt mir gerade so wenig vor. Ich sehe die Bilder im Internet und kann kaum glauben, dass es Orte sind, die so nah liegen. Freunde von mir sind betroffen, wenn auch -Gott sei Dank!- nicht von Todesf\u00e4llen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich bin in Gedanken und Gebeten auch bei euch und hoffe, dass euch und eure Lieben das Unwetter verschont hat.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich habe mich entschieden dennoch aus meinem Alltag zu schreiben. Auch wenn er so v\u00f6llig trivial weiterl\u00e4uft. Doch Gespr\u00e4che mit Freundinnen zeigen mir immer wieder, dass nicht nur ich gerade an der Alltagsfront k\u00e4mpfe. Und vielleicht betrifft es ja auch die eine oder den anderen von euch und es hilft zu sehen, dass man nicht alleine ist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Der Alltag hat mich wieder. Wie jedes Jahr nach dem Urlaub habe ich mir vorgenommen, nicht wieder in die alte Hektik zur\u00fcck zu fallen. Wie jedes Jahr ist dieser Vorsatz bereits in den ersten Tagen gekippt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade gibt es wenig Coronaeinschr\u00e4nkungen. Und das soziale Leben hat Nachholbedarf. Da wollen Hochzeiten gefeiert werden, die schon so lange auf eine Feier warten. Sommerfeste stehen auf dem Plan, Treffen mit Freunden in Eiscaf\u00e9s oder bei einem Abendessen au\u00dfer Haus. Sitzungen, die wieder real stattfinden k\u00f6nnen. Verwandtschaftsbesuche stehen an. Der Sommer, der mit seinen Wetterlaunen da einschr\u00e4nkt, wo Corona sich zur\u00fcckgezogen hat, schiebt die Aktionen auf einen immer kleineren Zeitraum zusammen. Und langsam bekomme ich Panik.<\/p>\n\n\n\n<p>So lange habe ich mich auf genau diese Dinge gefreut. Und nun f\u00fchle ich mich \u00fcberrollt. Wenn ich in meinen Kalender schaue und die frei verf\u00fcgbaren Zeitr\u00e4ume schmelzen sehe, wird mir Angst. Schnell knalle ich ein paar gelbe Zeitbl\u00f6cke in meinen digitalen Planer. Gelb, das sind die Termine, die ich mit mir selbst habe. Nur Jesus und mein Mann d\u00fcrfen da rein.&nbsp; L\u00e4ngst ist der Sommer ausgebucht und die ersten vorwurfsvollen S\u00e4tze von Bekannten fallen: &#8222;Du hast ja nie Zeit.&#8220;. Schuldbewusst l\u00f6sche ich nach und nach meine gelben Bl\u00f6cke wieder raus und trage Termine ein. Wer wei\u00df wie der Herbst wird und was da alles stattfinden kann. Vielleicht wird es ja ein gelber Herbst. Keine Ahnung ob diese Denkweise pessimistisch, optimistisch oder realistisch ist. Ich wei\u00df grad nicht mehr was ich denken oder f\u00fchlen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann f\u00e4llt mir wieder ein, was ich am Sommer eigentlich mag. Wonach ich mich in den langen Wintern\u00e4chten gerne zur\u00fcckerinnere und auf was ich mich schon im M\u00e4rz freue.<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Unter einem Baum sitzen und lesen.<\/li><li>Dem Morgennebel zusehen, wie er zwischen den H\u00fcgeln aufsteigt und verschwindet.<\/li><li>Ferne Rasenm\u00e4herger\u00e4usche.<\/li><li>Jesusspazierg\u00e4nge in der Morgenfrische<\/li><li>Wasserplantschen und gl\u00fcckliches Kinderkreischen.<\/li><li>Der Geruch von frischen Pommes und hei\u00dfem Asphalt gemischt mit Freibadchlorwasser.<\/li><li>In der H\u00e4ngematte liegen und Sprachnachrichten von Freundinnen anh\u00f6ren.<\/li><li>Eis essen!<\/li><li>Sommernachtsger\u00e4usche<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df nicht wie ich diese Sachen unterbringen soll. Aber eigentlich brauchen die wenigsten davon wirklich viel Zeit. Eigentlich sind die meisten Sachen Momentaufnahmen. Bewusstes Wahrnehmen. Oder ein Zeitfenster von einer halben Stunde. Das bietet so gut wie jeder Tag, auch wenn kein gelber Block im Kalender ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem schaffe ich es nicht immer. Oft bin ich zu hektisch, zu sehr gefangen in meinen Gedanken und Aufgabenlisten. Aber vielleicht hilft mir dieser Beitrag mich zumindest in dieser Woche ab und zu daran zu erinnern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine kleine pers\u00f6nliche Notiz am Anfang (weil der Rest dieses Blogs ja so unpers\u00f6nlich ist&#8230;). Ich habe diese Woche lange \u00fcberlegt, ob und was ich schreiben kann. Das Unwetter und die vielen Menschenleben, die es gefordert hat verbieten es eigentlich \u00fcber solche Nichtigkeiten zu schreiben, wie ich es heute tue. Ich glaube wir alle sind ersch\u00fcttert und hilflos. Beten hilft. Aber es kommt mir gerade so wenig vor. Ich sehe die Bilder im Internet und kann kaum glauben, dass es Orte sind, die so nah liegen. Freunde von mir sind betroffen, wenn auch -Gott sei Dank!- nicht von Todesf\u00e4llen. Ich bin in Gedanken und Gebeten auch bei euch und hoffe, dass euch und eure Lieben das Unwetter verschont hat. Ich habe mich entschieden dennoch aus meinem Alltag zu schreiben. Auch wenn er so v\u00f6llig trivial weiterl\u00e4uft. Doch Gespr\u00e4che mit Freundinnen zeigen mir immer wieder, dass nicht nur ich gerade an der Alltagsfront k\u00e4mpfe. Und vielleicht betrifft es ja auch die eine oder den anderen von euch und es hilft zu sehen, dass man nicht alleine ist. Der Alltag hat mich wieder. Wie jedes Jahr nach dem Urlaub habe ich mir vorgenommen, nicht wieder in die alte Hektik zur\u00fcck zu fallen. Wie jedes Jahr ist dieser Vorsatz bereits in den ersten Tagen gekippt. Gerade gibt es wenig Coronaeinschr\u00e4nkungen. Und das soziale Leben hat Nachholbedarf. Da wollen Hochzeiten gefeiert werden, die schon so lange auf eine Feier warten. Sommerfeste stehen auf dem Plan, Treffen mit Freunden in Eiscaf\u00e9s oder bei einem Abendessen au\u00dfer Haus. Sitzungen, die wieder real stattfinden k\u00f6nnen. Verwandtschaftsbesuche stehen an. Der Sommer, der mit seinen Wetterlaunen da einschr\u00e4nkt, wo Corona sich zur\u00fcckgezogen hat, schiebt die Aktionen auf einen immer kleineren Zeitraum zusammen. Und langsam bekomme ich Panik. So lange habe ich mich auf genau diese Dinge gefreut. Und nun f\u00fchle ich mich \u00fcberrollt. Wenn ich in meinen Kalender schaue und die frei verf\u00fcgbaren Zeitr\u00e4ume schmelzen sehe, wird mir Angst. Schnell knalle ich ein paar gelbe Zeitbl\u00f6cke in meinen digitalen Planer. Gelb, das sind die Termine, die ich mit mir selbst habe. Nur Jesus und mein Mann d\u00fcrfen da rein.&nbsp; L\u00e4ngst ist der Sommer ausgebucht und die ersten vorwurfsvollen S\u00e4tze von Bekannten fallen: &#8222;Du hast ja nie Zeit.&#8220;. Schuldbewusst l\u00f6sche ich nach und nach meine gelben Bl\u00f6cke wieder raus und trage Termine ein. Wer wei\u00df wie der Herbst wird und was da alles stattfinden kann. Vielleicht wird es ja ein gelber Herbst. Keine Ahnung ob diese Denkweise pessimistisch, optimistisch oder realistisch ist. Ich wei\u00df grad nicht mehr was ich denken oder f\u00fchlen soll. Und dann f\u00e4llt mir wieder ein, was ich am Sommer eigentlich mag. Wonach ich mich in den langen Wintern\u00e4chten gerne zur\u00fcckerinnere und auf was ich mich schon im M\u00e4rz freue. Unter einem Baum sitzen und lesen. Dem Morgennebel zusehen, wie er zwischen den H\u00fcgeln aufsteigt und verschwindet. Ferne Rasenm\u00e4herger\u00e4usche. Jesusspazierg\u00e4nge in der Morgenfrische Wasserplantschen und gl\u00fcckliches Kinderkreischen. Der Geruch von frischen Pommes und hei\u00dfem Asphalt gemischt mit Freibadchlorwasser. In der H\u00e4ngematte liegen und Sprachnachrichten von Freundinnen anh\u00f6ren. Eis essen! Sommernachtsger\u00e4usche Ich wei\u00df nicht wie ich diese Sachen unterbringen soll. Aber eigentlich brauchen die wenigsten davon wirklich viel Zeit. Eigentlich sind die meisten Sachen Momentaufnahmen. Bewusstes Wahrnehmen. Oder ein Zeitfenster von einer halben Stunde. Das bietet so gut wie jeder Tag, auch wenn kein gelber Block im Kalender ist. Trotzdem schaffe ich es nicht immer. Oft bin ich zu hektisch, zu sehr gefangen in meinen Gedanken und Aufgabenlisten. 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