{"id":1218,"date":"2021-04-13T09:14:02","date_gmt":"2021-04-13T07:14:02","guid":{"rendered":"http:\/\/nurheute.net\/?p=1218"},"modified":"2021-04-13T09:14:03","modified_gmt":"2021-04-13T07:14:03","slug":"fruehlingsrollen-und-zimtschnecken","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/nurheute.net\/?p=1218","title":{"rendered":"Fr\u00fchlingsrollen und Zimtschnecken"},"content":{"rendered":"\n<p>Es ist Ostersonntag. Wir haben virtuell Gottesdienst gefeiert, gut zu Mittag gegessen und kurz darauf beschlie\u00dfe ich, dass man auch das Beste aus dem Lockdown machen kann: Pyjamaparty!! Also wechsle ich in den Schlafanzug, mache mir eine riesige Kanne Tee und suche mir ein sch\u00f6nes Buch. So geht Party!<\/p>\n\n\n\n<p>Am fr\u00fchen Abend klingelt es an der T\u00fcr. Ich werde aus meinem B\u00fccherabenteuer gerissen. Gerade war ich noch auf Schmugglertour hinter dem Eisernen Vorhang und wurde fast erwischt. Und sehe auch so aus: Die Haare zerrauft, hektische rote Flecke im Gesicht (was vielleicht auch an der \u00fcberraschenden T\u00fcrklingel liegt &#8211; ich bin unglaublich schreckhaft) und desorientiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gatte br\u00fcllt aus dem Bad, er k\u00f6nne jetzt grad nicht. Also habe ich T\u00fcrdienst. Kurz aber heftig \u00fcberlege ich, ob ich mich einfach tot stelle und warte bis der Mensch vor der T\u00fcr wieder weg ist. Mache ich dann aber nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der neue Nachbar steht drau\u00dfen. Ein junger Vietnamese. Ich kann das Alter schlecht sch\u00e4tzen, w\u00fcrde aber sagen, dass er Mitte 20 ist. Er hat eine kleine Platte mit noch hei\u00dfen Fr\u00fchlingsrollen dabei. Ein Gru\u00df von ihm und seiner Frau. Weil wir ja nun Nachbarn sind. Und wenn wir irgendetwas brauchen, dann k\u00f6nnen wir uns jederzeit melden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Blick h\u00e4ngt wie hypnotisiert an dem kleinen Kreuz um seinen Hals, w\u00e4hrend ich das Essen entgegennehme und irgendetwas unverst\u00e4ndliches murmle. Irgendwie f\u00fchle ich mich unh\u00f6flich. Doch der junge Mann l\u00e4sst sich nicht schocken. Er ist sehr freundlich, aufgeschlossen und strahlt. Und das obwohl ich v\u00f6llig zerrupft, im Schlafanzug und mit einer Frisur auf dem Kopf vor im stehe, die stark an &#8218;die Palme&#8216; der 80er erinnert.<\/p>\n\n\n\n<p>Und pl\u00f6tzlich \u00fcberkommt mich eine fast unb\u00e4ndige Sehnsucht, die mich noch unf\u00e4higer macht zu sprechen. Wie w\u00e4re es, wenn der neue Nachbar und seine Frau Christen w\u00e4ren? Wie w\u00e4re es, wenn wir pl\u00f6tzlich Geschwister im Haus h\u00e4tten? Wenn wir zu einem Gebet einfach nur \u00fcber den Flur m\u00fcssten? Wenn wir gemeinsam f\u00fcr dieses riesige Haus mit seinen hunderten von Bewohnern beten k\u00f6nnten? Wenn wir f\u00fcr die Nachbarn da sein k\u00f6nnten&#8230;gemeinsam und nicht mehr als Einzelk\u00e4mpfer. Hauskreise im Haus? Neue Christen, neues Leben, neues Feuer.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich suche nach Worten, schaffe aber nur ein &#8218;Danke&#8216; heraus zu pressen. Er lacht, winkt und geht zur\u00fcck zu seiner jungen Familie in seine Wohnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Traum von einer neuen kleinen christlichen Segenszelle in unserem Haus bleibt bei mir h\u00e4ngen. Die Sehnsucht ist so \u00fcberw\u00e4ltigend gro\u00df, dass ich in den n\u00e4chsten Tagen zu nichts f\u00e4hig bin. Nur noch zum Beten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe fast sofort nach Gebetsanfang den Eindruck, den neuen Nachbarn Zimtschnecken vorbei zu bringen. Als Willkommensgeschenk. Und damit es nicht wieder unter den Tisch f\u00e4llt, backe ich noch in der gleichen Woche und bringe es gemeinsam mit meinem Mann r\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Es passiert&#8230;nichts&#8230;Die Oma ist zu Hause und passt auf das kleine Kind auf. Sie spricht nicht mit uns und ist argw\u00f6hnisch. Doch genau in dem Moment wo wir uns umdrehen geht die Aufzugt\u00fcr auf und der Nachbar erscheint. Er lacht, bedankt sich. \u00dcber Jesus sprechen wir nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Sehnsucht bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gebete bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Jesus. Ich w\u00fcnsche es mir so sehr, dass du in dieses Haus einziehst. Nicht nur bei uns, sondern in viele Wohnungen. Lass mich bei diesem Wunder dabei sein. Bei diesem kleinen riesigen Osterwunder.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Ostersonntag. Wir haben virtuell Gottesdienst gefeiert, gut zu Mittag gegessen und kurz darauf beschlie\u00dfe ich, dass man auch das Beste aus dem Lockdown machen kann: Pyjamaparty!! Also wechsle ich in den Schlafanzug, mache mir eine riesige Kanne Tee und suche mir ein sch\u00f6nes Buch. So geht Party! Am fr\u00fchen Abend klingelt es an der T\u00fcr. Ich werde aus meinem B\u00fccherabenteuer gerissen. Gerade war ich noch auf Schmugglertour hinter dem Eisernen Vorhang und wurde fast erwischt. Und sehe auch so aus: Die Haare zerrauft, hektische rote Flecke im Gesicht (was vielleicht auch an der \u00fcberraschenden T\u00fcrklingel liegt &#8211; ich bin unglaublich schreckhaft) und desorientiert. Der Gatte br\u00fcllt aus dem Bad, er k\u00f6nne jetzt grad nicht. Also habe ich T\u00fcrdienst. Kurz aber heftig \u00fcberlege ich, ob ich mich einfach tot stelle und warte bis der Mensch vor der T\u00fcr wieder weg ist. Mache ich dann aber nicht. Der neue Nachbar steht drau\u00dfen. Ein junger Vietnamese. Ich kann das Alter schlecht sch\u00e4tzen, w\u00fcrde aber sagen, dass er Mitte 20 ist. Er hat eine kleine Platte mit noch hei\u00dfen Fr\u00fchlingsrollen dabei. Ein Gru\u00df von ihm und seiner Frau. Weil wir ja nun Nachbarn sind. Und wenn wir irgendetwas brauchen, dann k\u00f6nnen wir uns jederzeit melden. Mein Blick h\u00e4ngt wie hypnotisiert an dem kleinen Kreuz um seinen Hals, w\u00e4hrend ich das Essen entgegennehme und irgendetwas unverst\u00e4ndliches murmle. Irgendwie f\u00fchle ich mich unh\u00f6flich. Doch der junge Mann l\u00e4sst sich nicht schocken. Er ist sehr freundlich, aufgeschlossen und strahlt. Und das obwohl ich v\u00f6llig zerrupft, im Schlafanzug und mit einer Frisur auf dem Kopf vor im stehe, die stark an &#8218;die Palme&#8216; der 80er erinnert. Und pl\u00f6tzlich \u00fcberkommt mich eine fast unb\u00e4ndige Sehnsucht, die mich noch unf\u00e4higer macht zu sprechen. Wie w\u00e4re es, wenn der neue Nachbar und seine Frau Christen w\u00e4ren? Wie w\u00e4re es, wenn wir pl\u00f6tzlich Geschwister im Haus h\u00e4tten? Wenn wir zu einem Gebet einfach nur \u00fcber den Flur m\u00fcssten? Wenn wir gemeinsam f\u00fcr dieses riesige Haus mit seinen hunderten von Bewohnern beten k\u00f6nnten? Wenn wir f\u00fcr die Nachbarn da sein k\u00f6nnten&#8230;gemeinsam und nicht mehr als Einzelk\u00e4mpfer. Hauskreise im Haus? Neue Christen, neues Leben, neues Feuer. Ich suche nach Worten, schaffe aber nur ein &#8218;Danke&#8216; heraus zu pressen. Er lacht, winkt und geht zur\u00fcck zu seiner jungen Familie in seine Wohnung. Der Traum von einer neuen kleinen christlichen Segenszelle in unserem Haus bleibt bei mir h\u00e4ngen. Die Sehnsucht ist so \u00fcberw\u00e4ltigend gro\u00df, dass ich in den n\u00e4chsten Tagen zu nichts f\u00e4hig bin. Nur noch zum Beten. Ich habe fast sofort nach Gebetsanfang den Eindruck, den neuen Nachbarn Zimtschnecken vorbei zu bringen. Als Willkommensgeschenk. Und damit es nicht wieder unter den Tisch f\u00e4llt, backe ich noch in der gleichen Woche und bringe es gemeinsam mit meinem Mann r\u00fcber. 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