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Montag, 17 Dezember 2018 00:00

Der Morgen danach ……

Das siebzehnte Türchen...

Diese Geschichte ist von der wunderbaren Hedwig.


"Was war denn nur los heute Nacht? Dieser eigenartige Traum: Ein Engel sagte zu mir: "Kehrt nicht zu Herodes zurück!",so erzählte Caspar noch ganz aufgeregt, - und ich, Balthasar, war erfreut. Ich hatte den gleichen Traum doch war ich mir nicht sicher, ob es nur Einbildung war. Auch Melchior hatte die gleiche Botschaft empfangen. Was bedeutete dies? Musste ihre Rückreise anders verlaufen? Es war doch schon beschwerlich genug gewesen, dem großen Stern als Wegweiser nachzulaufen bis nach Bethlehem. Nun wäre es doch viel einfacher, den gleichen Weg zurückzugehen. Wir bräuchten ja Herodes nicht zu informieren. Wir könnten Jerusalem umgehen. So dachte ich und wollte es gerade den anderen vorschlagen, als Caspar fest entschlossen sagte: "Wir dürfen auf keinen Fall das Kind in Gefahr bringen. Es hat mein Herz tief berührt. In mir hat sich etwas bewegt und verändert. Ich werde befolgen, was der Engel uns aufgetragen hat". Melchior pflichtete ihm sofort bei.

Meine ganzen Einwände der Ungewissheit, Beschwerlichkeit, der Kosten an Geld und Zeit hätte keinen der beiden umgestimmt. Was machte sie so entschlossen? - ja, freudig entschlossen, vertrauensvoll entschlossen, ohne Zweifel entschlossen, dass wir gar nichts zu befürchten hätten? Die Ungewissheit des Rückwegs schien sie nicht zu verunsichern, die eventuelle Verzögerung unserer Reise nicht zu beunruhigen, - ganz im Gegensatz zu mir. Was ließ mich denn nur so zweifeln, dass alles glatt laufen würde? Was hinderte mich daran - so wie sie - zuversichtlich entschlossen zu sein? Ich war doch auch vor dem Kind niedergekniet, hatte ihm in die Augen gesehen. Aber mich hatte diese Armut für einen angehenden König befremdet und betroffen gemacht, und ich war heilfroh, dass wir die Eltern reich beschenken konnten.
Bevor ich fragen konnte, was die anderen so unerschrocken zuversichtlich machte, sagte Melchior: "Ist es euch auch so ergangen, dass die Liebe, die in den Augen des Kindes lag, euch mitten ins Herz getroffen hat? Es war so etwas Überfließendes, verbunden mit einem göttlichen Glanz‘. Caspar nickte zustimmend: "Ja, mir wurde es so warm ums Herz. Es hat mich bis in die Tiefe meines Seins angerührt und eine unbändige Freude ausgelöst".

Mir ging ein Stich durchs Herz: Hier lag der Unterschied. Ich hatte zwar auch die Augen des Kindes gesehen, den Glanz, die besondere Art des Anschauens. Doch mein Herz blieb stumm und hüpfte nicht vor Freude. Wie sollte ich ohne dieses Angerührt-worden-sein vertrauend einen unbekannten Weg gehen? Wie sollte dieser Weg aussehen? Wo sollte er hinführen? Still dachte ich nach: Ja, auch ich habe den Stern gesehen - auch ich bin losgezogen - auch ich bin angekommen - auch ich sah das Kind und bin überzeugt, dass es ein König wird, sogar der König der ganzen Welt. Auch mir wurde im Traum gesagt: Geh nicht zu Herodes zurück. Aber irgendetwas in mir bleibt stumm und blockiert. Was nur verhindert es mir, diesen Strom der Liebe zu empfangen und der Anweisung freudig zu folgen? Was?

Ich werde es noch erfahren.


LaHö Weihnachtsschreibwerkstatt 2017 Hedwig Teich