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Dienstag, 06 März 2018 15:00

Fastenwoche 4: Lästern

Ich werde diese Woche nicht über andere reden.
Stattdessen werde ich bei Kritik mit den Menschen reden und mir im Gebet Gottes Perspektive zeigen lassen.

In Psalm 15 stellt David die Frage: Wer darf sich in Gottes Nähe aufhalten, wer darf bei Gott wohnen? (Ps. 15,1). Unter anderem ist die Antwort: Wer nicht andere verleumdet; das heißt: etwas sagt, was die Ehre des anderen verletzt und obendrein noch unwahr ist. Wer anderen Menschen kein Unrecht tut und wer andere nicht in Verruf bringt, also dafür sorgt, dass der Andere einen schlechten Ruf bekommt. (Ps. 15,3)

Das ist nicht immer leicht. Denn Lästern hilft sich selbst aufzuwerten - je tiefer ich den anderen mit Worten runter drücke, desto höher wirke ich selbst. Außerdem schafft Lästern eine Gemeinschaft unter den Lästernden - und Gemeinschaftsgefühle fühlen sich schön an.

Gleichzeitig schlägt Lästern tiefe Wunden, gerade dann, wenn es von Menschen ausgeht, denen man vertraut hat oder mit denen man zur Zusammenarbeit gezwungen ist. Sei es in der Gemeinde, am Arbeitsplatz, in der Schule oder im Verein. Lästern entzweit Menschen, es erniedrigt und es erzeugt Streit.

Ich muss zugeben, dass sich bei der Meditation über diesen Psalm plötzlich ein warmes, zärtliches Gefühl in meinem Bauch ausgebreitet hat. Gott mag es nicht, wenn sich Lästerer in seiner Nähe aufhalten. Das macht es für Lästerer unangenehm, aber für deren Opfer, wird es zu einem Ort der Sicherheit. Ich muss mir keine Gedanken machen, dass im Himmel jemals wieder gelästert wird. Gott redet gutes über uns Menschen und er duldet es nicht, wenn seine Kinder sich da anders verhalten. Im Himmel gibt’s kein Mobbing.

Doch wo ist die Grenze von Lästern hin zu berechtigter Kritik? Denn die muss Raum haben, wie sollten wir sonst wachsen oder Fehler erkennen? Eine einfache Faustregel ist: Beim Lästern redest du über den Menschen, bei konstruktiver Kritik redest du mit dem Menschen. Und wenn man vor dem Gespräch mit dem Menschen noch mit Gott über den Menschen redet, dann ist man auf der sicheren Seite.

Früher hatte ich ein Problem mit Lästern, vor allem im Jugendalter. In den letzten Jahren ist Gott mit mir durch eine (strenge) Schule gegangen und inzwischen passiert es mir nur noch selten, dass ich mich dabei erwische, dass ich über Leute rede, die nicht in der Gruppe anwesend sind. Wenn es mir dann auffällt, höre ich sofort auf und gehe gegebenenfalls zeitnah auf die entsprechende Person zu und entschuldige mich. (Allein das ist so unangenehm, dass man das mit dem Reden über Dritte schnell sein lässt :-) )

Obwohl das mit dem Lästern also nicht akut problematisch in meinem Leben ist, möchte ich diese Woche nutzen um aufmerksam auf das zu hören, was über andere Menschen aus meinem Mund kommt. Denn vieles passiert einfach unbewusst. Ich bin gespannt was am Ende der Woche für eine Bilanz steht.

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